Vorwort:

Noch eine Übersetzung des Neuen Testaments? Ist nicht schon alles mehrfach gesagt und übersetzt? Jeder, der mit offenem Herzen und

Verstand die Bibel liest, entdeckt immer wieder Neues, egal wie lange er es tut; und das passiert gerade, wenn er neue, vielleicht "unerhörte"

Übersetzungen benutzt. „Die Worte Gottes sind ... siebenmal geläutert“ (Psalm 12,7), daher ist in diesem Zeitalter kein Ende ihrer Erforschung abzusehen. Seit Jahren gab es für mich ständig sinnvolle Übersetzungsvarianten zu entdecken, die in der lexikalischen oder grammatischen Form enthalten sind und leider nirgendwo – außer vielleicht mal in einem Kommentar – auffindbar waren und eine Bereicherung darstellen kön-nen. Die Bibel ist Gottes ewiges Wort, Gottes Agenda, die als Antwort jedoch auch sprachlich adäquat in unsere Zeit hineingetragen und -übersetzt werden soll. Das heißt nicht, dass man z.B. jeden Satz von Paulus immer sofort verstehen können muss.


Meine Teilnahme am Bibelübersetzerforum in der Bibelschule Wiedenest, bei der ich unter den Professoren und mit akademischen Titeln dekorierten Theologen natürlich nur eine kleine Leuchte war, hat mich in meinem Ansatz der Urtextnähe bestärkt, da in der letzten Zeit fast nur noch Übersetzungen mit dem Schwerpunkt auf der Zielsprache herauskommen. Auf der anderen Seite ist die Revision der „Elberfelder Bibel“ mehr oder weniger ausgeschöpft, zu der es kaum eine Alternative gibt, die aber gleichzeitig in bezug auf Verständlichkeit und Distanz zur heutigen Umgangssprache bemängelt wird und trotz ihres Ansatzes zum Teil zu ungenau ist.


Roland Werner, bei dem ich am Ende meiner Übersetzungsarbeit etliche Parallelen festgestellt habe, hat mit "Das Buch" einen echten Mittelweg gesucht, da er sich in der Tat eng am Urtext orientiert, dann aber etliche erklärende und interpretierende Worte hinzufügt und einiges recht frei wiedergibt. Insofern glaube ich, mit der vorliegenden Arbeit tatsächlich eine Lücke zur urtextnahen Seite hin schließen zu können und kann dem geneigten Leser zumindest eine Reihe handfester Überraschungen versprechen. Wer eine Ausgabe mit beiliegender Kommentar-CD zu allen Kapiteln des Neuen Testaments in Händen hält, bekommt Einblick in meine „Werkstatt“ und zahlreiche Begründungen für Abweichungen von Hörgewohnheiten geliefert. Dabei orientiere ich mich eng am lexikalen und grammatikalischen Befund.


Ansonsten sei erwähnt, dass ich mich seit meiner Bekehrung im Jahr 1972 mehr oder weniger durchgehend als Bibelkreisleiter, Verkündiger, Seelsorger, Bibelschuldozent für Altgriechisch und Kursleiter für die Sprachen der Bibel mit dem Grundtext des Neuen Testaments befasst habe und dadurch bei meiner Übersetzung die theologische,seelsorgerliche, ja gesellschaftliche Relevanz, also deren Bedeutung für Lehre, Seelsorge und den persönlichen Glauben vor Augen hatte.


Möge Gott durch Seinen Heiligen Geist auch mit dieser Übersetzung die Erkenntnis Seines Sohnes und Seiner Wege mehren!


Andreas Eichberger, im Juli 2010